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Schwarmfinanzierung braucht klare Regeln, um Anleger zu schützen

Schwarmfinanzierung, englisch Crowdfunding, liegt im Trend. Die Zinsen sind momentan niedrig, Crowdfunding-Projekte versprechen oft einen vergleichsweise hohen Ertrag. Um bei solchen Anlagen Risiken für die Investoren gering zu halten, hat die Bundesregierung im vergangenen Jahr ein neues Gesetz verabschiedet. Doch das geht nicht weit genug, kritisiert Prof. Dr. Andreas Oehler, Direktor der Forschungsstelle für Verbraucherfinanzen und Verbraucherbildung an der Universität Bamberg und Mitglied des Sachverständigenrats für Verbraucherfragen.

Prof. Dr. Andreas Oehler, Direktor der Forschungsstelle für Verbraucherfinanzen und Verbraucherbildung an der Universität Bamberg und Mitglied des Sachverständigenrats für Verbraucherfragen, sieht Handlungsbedarf in vier Bereichen, um Anleger bei Crowdfunding-Projekten besser zu schützen.

 

Erstens: Die Anlage- und Finanzierungsformen des Crowdfunding sollen gemäß Wertpapierhandelsgesetz als Finanzinstrumente geregelt und unter Aufsicht gestellt werden. So könnte individuell bei der Beratung geprüft werden, ob Schwarmfinanzierungen für Anleger geeignet seien, erklärt der Wissenschaftler. Das ist bislang nicht der Fall. „Viele Anleger merken vermutlich gar nicht, dass es hier derzeit nicht denselben Schutz durch die Finanzaufsicht gibt, der bei gängigen Anlageprodukten wie Investmentfonds oder Aktien greift.“

 

Die Begrenzung der Beteiligungshöhe ist nur scheinbar ein Schutz, da eine reine Selbsterklärung der Investoren ausreichend ist. Solche Regeln seien unbrauchbar und könnten entfallen, so Oehler in seiner zweiten Forderung. Stattdessen sollte die genannte Prüfung auf Geeignetheit greifen, die auch für andere Produkte gilt.

 

Drittens fordert Oehler standardisierte Informationen für Anleger. „Produktinformationen müssen verständlich und übersichtlich aufbereitet und vor allem einheitlich sein“, sagt Oehler. „Nur so können Anleger die verschiedenen Produkte direkt miteinander vergleichen.“ Nicht nur die Finanzierungsformen selbst, sondern auch die Internetplattformen, die Crowdfunding anbieten, sollen unter die Finanzaufsicht gestellt und durch das Wertpapierhandelsgesetz reguliert werden.

 

Das ist die vierte Forderung des Professors. Wie Plattformen an ihrer Dienstleistung verdienen und welche Bedingungen für die Verträge gelten, müsse für den Nutzer klar ersichtlich sein, fordert Oehler. „Anlegern werden dort Risiken zugemutet, die sie mangels Transparenz und Qualität der Informationen gar nicht erkennen können.“

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