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Die Deutschen mögen Bargeld – aber die Liebe bröckelt

Das Bargeld ist nach wie vor die beliebteste Bezahlmethode der Deutschen. Doch die Vorliebe für Münzen und Scheine bröckelt: 43,2 Prozent der Deutschen können sich vorstellen, in der Zukunft vollständig auf Bargeld zu verzichten. Vor allem bei vielen Jüngeren scheinen die Tage des Bargelds gezählt: Mit 51,7 Prozent ist eine Mehrheit der unter 40-Jährigen einer bargeldlosen Zukunft gegenüber aufgeschlossen. Dagegen könne sich nur 30,9 Prozent der über 50-Jährigen vorstellen, irgendwann keine Münzen und Scheine mehr in der Tasche zu haben. Dies geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, die das Meinungsforschungsunternehmen Innofact im Auftrag von TransferWise durchgeführt hat.

Noch ist Bargeld die knappe Nummer eins der Deutschen: 52,6 Prozent ziehen es vor, bar zu zahlen, wann immer es möglich ist. Aber auch hier gibt es einen großen Unterschied zwischen den Generationen: Nur bei den über 50-Jährigen zieht mit 64,4 Prozent eine deutliche Mehrheit Bargeld vor. In allen anderen Altersgruppen sind die Cash-Liebhaber dagegen in der Minderheit. Am niedrigsten ist der Anteil bei den 30- bis 39-Jährigen (44,6 Prozent). Das beliebteste bargeldlose Zahlungsmittel ist die EC- oder Bankkarte mit 26,6 Prozent. Für knapp jeden Zehnten (9,4 Prozent) ist die Kreditkarte die Nummer eins.

In der Praxis ist das Bargeld nicht mehr König
Die Theorie ist das eine, die Praxis das andere: Wenn es darum geht, welche Zahlungsmethode im stationären Handel, in Cafés und Restaurants sowie anderen Bereichen der Offline-Welt tatsächlich eingesetzt wird, ist das Bargeld nur noch für weniger als ein Drittel der Befragten (30,7 Prozent) das am häufigsten genutzte Zahlungsmittel. Die Bankkarte wird in der Praxis von fast einem Viertel (24,7 Prozent) in den meisten Fällen eingesetzt, die Kreditkarte von 12,7 Prozent.

Welche Zahlungsmethode gewählt wird, hängt dabei stark von der Höhe des zu zahlenden Betrags ab: Lediglich bei Beträgen bis zu zehn Euro greift eine knappe Mehrheit von 50,8 Prozent am häufigsten zum Bargeld. Das sieht bei höheren Beträgen ganz anders aus: Auch wenn bei Zahlungen zwischen zehn und 50 Euro Bargeld die Nummer eins ist, bevorzugen es deutlich weniger als die Hälfte der Deutschen (38,2 Prozent).

Bei Beträgen ab 50 Euro liegt dagegen die Bank- oder EC-Karte klar vorn: So nutzen etwa 30 Prozent bei Beträgen zwischen 50 und 100 Euro am häufigsten die Karte, nur ein Viertel dagegen Bargeld (25 Prozent). Je höher der Betrag, desto beliebter wird auch die Kreditkarte: Bei Beträgen über 100 Euro ist sie die klare Nummer zwei (18,5 Prozent) hinter der Bankkarte (26,5 Prozent) und liegt deutlich vor dem Bargeld (13,8 Prozent).

Mangelnde Infrastruktur bremst bargeldloses Bezahlen
Warum aber sind viele Deutsche noch zögerlich, wenn es um das bargeldlose Bezahlen geht? Sorge Nummer eins: Man könnte die Kontrolle über seine Ausgaben verlieren (34,6 Prozent) und würde womöglich mehr ausgeben (27,1 Prozent). Zudem mögen es viele – vor allem Ältere – Scheine und Münzen in der Hand zu halten (31,4 Prozent). Ein wesentliches Hindernis ist aber auch die in Deutschland nach wie vor mangelhafte Infrastruktur: Ein Viertel der Befragten (24,5 Prozent) bemängelt, dass bargeldloses Zahlen vielerorts noch immer nicht möglich ist.

„Die Deutschen gelten als Bargeld-Fans. Das ist nicht ganz falsch, wie die Umfrage zeigt. Sie beweist aber auch, wie offen der deutsche Verbraucher gegenüber bargeldlosem Bezahlen ist“, sagt Anna Schulenburg, European Product Manager bei TransferWise. „In der Praxis – und auch das zeigen die Zahlen – ist bargeldloses Bezahlen bereits viel verbreiteter als man glaubt. Und das trotz äußerst widriger Umstände: Die Infrastruktur für bargeldloses Zahlen ist in Deutschland noch unterentwickelt, es gilt vielen noch eher als Luxus denn als alltägliche Selbstverständlichkeit wie in anderen Ländern.”

„Das liegt auch an der Finanzindustrie. Die Gebühren, die sie erheben, damit Geschäfte die Möglichkeit erhalten, Kartenzahlung zu akzeptieren, ist für sie eine lukrative Einnahmenquelle”, so Schulenburg. „Und die Politik tut wenig, etwas gegen diese künstliche Verteuerung bargeldlosener Zahlungsmethoden zu tun. Dabei ist bargeldloses Zahlen nicht nur bequemer, sondern auch deutlich sicherer: Zum einen für die Verbraucher, da ihr Diebstahlrisiko sinkt. Zum anderen für die Gesellschaft, da Bargeld eine wichtige Voraussetzung für Geldwäsche und damit zahlreiche kriminelle, aber auch terroristische Aktivitäten ist. Für Menschen, die international leben und arbeiten, ist bargeldloser Zahlungsverkehr ohnehin eine Selbstverständlichkeit und die Infrastruktur in Deutschland ein immerwährendes Ärgernis. Es ist an der Zeit, die Infrastruktur für bargeldlose Zahlungsmittel in Deutschland endlich auf den Stand zu bringen, der in anderen Ländern bereits seit Jahren existiert. Die Umfrage belegt, dass der Bedarf dafür da ist.“

Quelle: TransferWise

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