
Banken schaffen 2009 Comeback
Im vergangenen Jahr konnte der Bankensektor wieder an Boden gewinnen. Nach dem Erreichen der Talsohle im ersten Quartal 2009 mit 3,1 Billionen US-Dollar hat sich der Börsenwert des weltweiten Bankensektors bis zum Jahresende auf 6,4 Billionen US-Dollar mehr als verdoppelt. Die durchschnittliche Aktienrendite (Total Shareholder Return [TSR], Kursgewinne und Dividenden) stieg um rund 100 Prozentpunkte auf 47,1 Prozent – und erreichte damit den höchsten Wert seit 2003. So die Ergebnisse einer aktuellen Studie der Boston Consulting Group.
Die Erholung kann jedoch nicht über die bestehenden Herausforderungen, Veränderungen und Unsicherheiten hinwegtäuschen, die die Branche weiterhin bestimmen, so die Boston Consulting Group (BCG) in ihrer Studie "After the Storm: Creating Value in Banking 2010". Darin analysiert BCG die Wertschaffung im Bankensektor anhand einer Stichprobe von Banken, die zusammen rund 75 Prozent der weltweiten Marktkapitalisierung ausmachen.Die Erholung des Bankensektors spiegelt eine zweigeteilte Welt nach der Krise wider: Während die Industrienationen mit gedämpften Wachstumsraten kämpfen, kehren die aufstrebenden Märkte zu ihrem alten Wachstumstrend zurück. Am deutlichsten zeigte sich die Erholung in Zentral- und Osteuropa sowie Lateinamerika. In den BRIC-Staaten – Brasilien, Russland, Indien und China – kletterte die durchschnittlich erzielte Aktienrendite 2009 von -53 Prozent im Vorjahr auf 85 Prozent.
"Banken in den Schwellenländern werden erfolgreich sein, sobald ihre Wirtschaft wieder in Schwung kommt und mehr Konsumenten Bankdienstleistungen nachfragen", erklärt Walter Sinn, Senior Partner und Leiter der deutschen Banken-Praxisgruppe bei BCG. "Ausländische Marktteilnehmer werden weiter versuchen, in diesen Märkten Fuß zu fassen, um Wachstumspotenziale auszuschöpfen, die ihnen in ihren Heimatmärkten nicht in dieser Form zur Verfügung stehen."
In zahlreichen OECD-Ländern hingegen zeigt sich, dass der Aufschwung fragil ist: "Die Erholung im Bankensektor ist vor allem auch eine technische Reaktion auf die massiven Kursverluste des vergangenen Jahres", sagt Lars-Uwe Luther, BCGPartner und Mitautor der Studie. "Es bleibt abzuwarten, wie sich die Volkswirtschaften und Finanzmärkte schlagen werden, wenn die staatlichen Programme auslaufen. Dieser Rückhalt wird schneller schwinden als die zugrunde liegenden Probleme der Branche. Dennoch sollte auch die Leistung vieler Banken in den Industrieländern nicht übersehen werden." In Australien, Kanada, Frankreich und Spanien lag die durchschnittliche Aktienrendite im Bankensektor zwischen 51 und 74 Prozent – und damit deutlich über dem industrieübergreifenden Schnitt von 39 Prozent. Der deutsche Bankensektor steigerte seine durchschnittliche Aktienrendite um rund 100 Prozentpunkte auf 37,5 Prozent.
Die Profitabilität des Bankensektors verbesserte sich in sechs der zehn größten
OECD-Märkte. Im dritten Jahr in Folge waren die Banken in Spanien, Kanada
und Australien mit einer Eigenkapitalrendite von 12,6 bis 14,9 Prozent am profitabelsten – verglichen mit dem globalen Branchendurchschnitt von 4,1 Prozent.
Alle führenden Kreditinstitute konnten im vergangenen Jahr wieder an Börsenwert zulegen: Die Marktkapitalisierung der 30 weltgrößten Banken stieg um 70 Prozent auf 2,8 Billionen US-Dollar.
• Drei der fünf führenden Banken kommen aus China, darunter mit der
ICBC die weltgrößte Bank mit einem Börsenwert von 269 Milliarden USDollar
(2008: 174 Milliarden US-Dollar).
• Vier der Top-Ten-Banken – JPMorgan Chase, Wells Fargo, Bank of
America und Citigroup – kommen aus den USA; damit sind zum ersten
Mal seit 2005 vier US-Banken unter den zehn führenden Bankhäusern
vertreten. Der Aufstieg einiger dieser Banken ist auf Übernahmen und
Kapitalerhöhungen zurückzuführen.
• Zum ersten Mal sind alle vier australischen Großbanken – Commonwealth
Bank of Australia, Westpac Banking, Australia and New Zealand
Banking Group und National Australia Bank – in der Rangliste der 30
weltgrößten Banken zu finden.
• Unter den 50 weltgrößten Banken ist die Deutsche Bank als einziges
deutsches Institut vertreten. Mit einer Marktkapitalisierung von
44,2 Milliarden US-Dollar liegt sie auf Platz 35 in der globalen Rangliste.
Infolge der Krise sehen sich Banken mit einer Reihe von Auflagen konfrontiert, darunter höhere Anforderungen bei der Kapitalaufnahme, die Aufgabe bestimmter Produkte sowie Einschränkungen bei der Risikoübernahme. Tiefgreifende Veränderungen fordert der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht, dessen Empfehlungen die Stabilität des Bankensektors verbessern, gleichzeitig jedoch in kleineren Bilanzsummen und geringeren Erträgen resultieren würden.
Die BCG-Experten haben mögliche Auswirkungen dieser Vorschläge für 32 Großbanken in zwölf Ländern bestimmt. Fazit: Die Tier-1-Quote dieser Banken kann bis zu 50 Prozent absinken. Dies liegt in der künftigen Nichtanerkennung bestimmter Positionen (vor allem Hybridinstrumente) als Tier-1-Kapital und einer Erhöhung der risikogewichteten Aktiva (RWA) aufgrund strengerer Vorgaben zur Risikoberechnung begründet. Um ihre Tier-1-Quote auf ein angemessenes Niveau von sechs bis acht Prozent zu bringen, wäre für die Banken eine Kapitalerhöhung von 15 bis 40 Prozent beziehungsweise 280 bis 650 Milliarden US-Dollar oder eine entsprechende Reduktion ihres Neugeschäfts notwendig. Während Ersteres zu einer Verwässerung bestehender Aktienstrukturen führen würde, hätte Letzteres eine Reduktion der Profitabilität zur Folge. Die BCG-Studie schätzt einen Wertverlust der Aktien von zwölf bis 25 Prozent für diese 32 Banken.
"Nicht jede Bank fürchtet diese Entwicklung", stellt Peter Neu, Risikomanagement-Experte und Mitautor der Studie, fest. "Für Banken mit einer stabilen Refinanzierungsquelle und einer starken Kapitalbasis ist dieser Umbruch eine Chance, um ihren Marktanteil auszubauen und die Schwäche ihrer Wettbewerber auszunutzen."
Meldung vom 25.02. 2010
Quelle: The Boston Consulting Group
| Weitere Informationen unter | www.bcg.de |






